{"id":2448,"date":"2021-04-25T07:00:05","date_gmt":"2021-04-25T05:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/?p=2448"},"modified":"2022-07-11T15:07:28","modified_gmt":"2022-07-11T13:07:28","slug":"interview-mit-ali-tapsoba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/interview-mit-ali-tapsoba\/","title":{"rendered":"Interview mit Ali Tapsoba"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gene Drive Technologie birgt hohe Risiken. Dennoch wird sie von der Bill &amp; Melinda Gates Foundation als Ma\u00dfnahme gegen Malaria propagiert. Anl\u00e4sslich des Welt-Malaria-Tages startet die Stop Gene Drives Kampagne ein Projekt, das verschiedene Perspektiven auf alternative M\u00f6glichkeiten der Malariabek\u00e4mpfung aufzeigt.<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Interview mit Ali Tapsoba de Goamma, Umwelt- und Menschenrechtsaktivist in Burkina Faso, Pr\u00e4sident der Organisation Terre a Vie und Sprecher f\u00fcr ein ziviligesellschaftliches B\u00fcndnis aus 60 Organisationen gegen die Freisetzungsversuche mit Gene Drive M\u00fccken in seinem Land, wollten wir von ihm erfahren, mit welchen Ma\u00dfnahmen in Burkina Faso bislang gegen Malaria vorgegangen wurde. Au\u00dferdem ordnet er f\u00fcr uns ein, wie die lokale Bev\u00f6lkerung und \u00d6ffentlichkeit in seinem Land auf die angek\u00fcndigten Feldversuche mit Gene Drive M\u00fccken reagiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Herr Tapsoba, welche Ma\u00dfnahmen wurden ergriffen, um Malaria in Burkina Faso zu stoppen? Welche waren erfolgreich, welche nicht? Welche wurden noch nicht versucht? Welche zus\u00e4tzlichen Ma\u00dfnahmen w\u00e4ren in Burkina Faso erforderlich, um das Leiden an Malaria zu beenden?<\/h3>\n<p>Trotz der Bem\u00fchungen der Regierung ist Malaria nach wie vor die Hauptursache f\u00fcr Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Todesf\u00e4lle in Burkina Faso. \u00dcber den Verlust von Menschenleben hinaus wirkt sich Malaria auch auf die Wirtschaft aus, behindert die Produktivit\u00e4t und belastet das Gesundheitssystem erheblich.<br \/>\nDie Letalit\u00e4tsrate der Malaria ist jedoch seit 2015 deutlich auf unter 1% gesunken.<br \/>\nDie wichtigsten Vektoren zur \u00dcbertragung der Krankheit sind die M\u00fcckenarten <em>Anopheles gambiae<\/em> und die <em>Anopheles funestus.<\/em><\/p>\n<h4>M\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Malaria in Burkina Faso:<\/h4>\n<ul>\n<li>Verteilungskampagne der MILDA (<em>Moustiquaires Impr\u00e9gn\u00e9es d\u2019Insecticide \u00e0 Longue Dur\u00e9e d\u2019Action<\/em>, Insektizid-impr\u00e4gnierte Moskitonetze mit langer Wirkungsdauer).<\/li>\n<li>Verwendung von Repelletien in geschlossenen R\u00e4umen und auf Kleidungsst\u00fccken.<\/li>\n<li>Praxis der TPI (<em>Traitement Pr\u00e9ventif Intermittent du paludisme<\/em>, Intermittierende vorbeugende Behandlung von Malaria mit oraler Medikamenteneinnahme von Amodiaquin) und der CPS (<em>Chimiopr\u00e9vention du Paludisme Saisonnier<\/em>, Saisonalen Malaria-Chemopr\u00e4vention. Hierbei werden die Malariamedikamente Sulfadoxin-Pyrimethamin und Amodiaquin verabreicht, um einer Infektion vorzubeugen.)<\/li>\n<li>Hygiene im Lebensumfeld: Errichtung von Kanalisationssystemen, Reinigung von Dachrinnen, \u00c4nderung der Methoden zur Wasserspeicherung.<\/li>\n<li>Larvenbek\u00e4mpfung<\/li>\n<li>Das Bespr\u00fchen von Innenr\u00e4umen mit Insektiziden.<\/li>\n<li>Verteilung von routinem\u00e4\u00dfigen Moskitonetzen an schwangere Frauen und Kinder unter einem Jahr,<\/li>\n<li>St\u00e4rkung der Pr\u00e4vention f\u00fcr schwangere Frauen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von diesen Methoden funktioniert bisher die Verteilungskampagne der MILDA, die Verwendung von Repellentien und die pr\u00e4ventiven Behandlungsmethoden gut.<br \/>\nIn geringerem Ma\u00dfe wurden jedoch die Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Hygienebedingungen, das Bespr\u00fchen von Innenr\u00e4umen mit Insektiziden und die Larvenbek\u00e4mpfung umgesetzt. Diese drei Ma\u00dfnahmen sowie die Verwendung von Heilpflanzen in der Pr\u00e4ventiv- und Heilbehandlung als auch Bildungsma\u00dfnahmen zur Verhaltens\u00e4nderung sollten jedoch verst\u00e4rkt angegangen werden.<\/p>\n<h3><strong><br \/>\n<\/strong>Wie wird der Einsatz der Gene Drive Technologie in Ihrem Land im Vergleich zu anderen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Malaria diskutiert? Versteht die lokale Bev\u00f6lkerung, wie die Technologie funktioniert? Stimmt sie zu, diese Technologie zu testen \/ zu verwenden?<\/h3>\n<p>Gentechnisch ver\u00e4nderte Organismen (GVO) sind in Burkina Faso umstritten. Wissenschaftler*innen und Verbraucher*innen haben zum Beispiel gentechnisch ver\u00e4nderte Baumwolle abgelehnt.<br \/>\nGene Drives, die sich noch nicht in der Anwendung befinden, sind ein umstrittenes Thema. Ein Bericht von Target Malaria \u00fcber die Freisetzung von 6400 gentechnisch ver\u00e4nderten M\u00fccken (keine Gene Drives) im Juli 2019 besagt, dass es nicht das Ziel war, Malaria zu bek\u00e4mpfen, sondern zu testen, wie lange diese Moskitos leben, wie f\u00e4hig sie sind, sich an die nat\u00fcrliche Umgebung anzupassen, und wie sie sich ausbreiten.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrger von Burkina Faso lehnen die k\u00fcnftige Nutzung dieser Technologie kategorisch ab. Der Widerstand hat es erm\u00f6glicht, eine Freisetzung im Jahr 2020 zu blockieren. Und wir werden eine Freisetzung auch weiter verhindern.<br \/>\nDie Menschen in Burkina Faso wissen nichts \u00fcber Gene Drives. Selbst die Wissenschaftsgemeinschaft hat Schwierigkeiten, diese Technologie zu verstehen. Es gibt keine vorherige, freie und informierte Zustimmung zur Freisetzung von Gene Drives und es gibt keine Rechtsvorschriften zu diesem Thema in Burkina Faso.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich sagen, dass Malaria zu einem Gesch\u00e4ftsmodell in Afrika geworden ist. Es ist eine Gesundheitsmafia, die der Pharmaindustrie und einigen Regierungen zugutekommt. Ich zweifle stark an den Statistiken, die von den Gesundheitsbeh\u00f6rden ver\u00f6ffentlicht wurden. Um Malaria in Afrika zu bek\u00e4mpfen, gen\u00fcgt es, eine gute Politik der Hygienesanierung zu entwickeln, einen Plan f\u00fcr die \u00f6kologische Gestaltung\u00a0 der St\u00e4dte und D\u00f6rfer zu erstellen,\u00a0 die \u00d6kosysteme und die biologische Vielfalt zu erhalten, die\u00a0 Alphabetisierungsrate\u00a0 zu erh\u00f6hen und eine\u00a0 tugendhafte\u00a0 Regierungsf\u00fchrung in den Staaten zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Weitere Interviews haben wir gef\u00fchrt mit:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Andreas Wulf<\/strong> von Medico International<strong>,<\/strong> Referent im Berliner B\u00fcro f\u00fcr globale Gesundheitsfragen, der uns Auskunft gibt \u00fcber die Rolle der Bill &amp; Melinda Gates Stiftung in der internationalen Gesundheitspolitik und seine Sicht auf notwendige Bedingungen f\u00fcr die Umsetzung des Menschenrechts auf Gesundheit in Afrika darlegt.<br \/>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/interview-mit-dr-andreas-wulf\/\">Hier<\/a><\/strong> geht\u2019s zum Interview<\/p>\n<p><strong>Pamela J. Weathers, <\/strong>Professorin und Forscherin am Worcester Polytechnic Institute in Massachusetts, USA<strong>,<\/strong> zu der Wirksamkeit und umstrittenen Sicherheit von Artemisia Tee-Aufg\u00fcsse zur Behandlung oder Vorbeugung von Malaria. <b><br \/>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/interview-mit-prof-pamela-weathers\/\">Hier <\/a><\/strong><\/b>geht\u2019s zum Interview<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Auf folgende Quellen bezieht sich Herr Tapsoba:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>World Health Organisation (2019). World Malaria Report 2019 World Health Organisation (2019).<\/li>\n<li>USAID President\u2019s Malaria Initiative FY 2019 Burkina Faso Malaria Operational Plan<\/li>\n<li>USAID 2017: Financing of Universal Health Coverage and Family Planning &#8211; A Multi-Regional Landscape Study and Analysis of Select West African Countries: Burkina Faso<\/li>\n<li>Universal Health Partnership coverage (2019). <a href=\"http:\/\/uhcpartnership.net\/country-profile\/burkina-faso\/\">http:\/\/uhcpartnership.net\/country-profile\/burkina-faso\/(le lien est externe)<\/a>(link is external)<\/li>\n<li>L\u2019\u00c9conomiste du Faso 2016<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.la-croix.com\/Sciences-et-ethique\/Le-paludisme-lautre-epidemie-devastatrice-2020-07-17-1201105379\">https:\/\/www.la-croix.com\/Sciences-et-ethique\/Le-paludisme-lautre-epidemie-devastatrice-2020-07-17-1201105379<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.jeuneafrique.com\/654776\/societe\/burkina-controverse-autour-de-moustiques-ogm-contre-le-paludisme\/\">\u00a0https:\/\/www.jeuneafrique.com\/654776\/societe\/burkina-controverse-autour-de-moustiques-ogm-contre-le-paludisme\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/afrique\/article\/2018\/06\/29\/des-moustiques-ogm-contre-le-paludisme-le-projet-qui-fait-debat-au-burkina_5323380_3212.html\">https:\/\/www.lemonde.fr\/afrique\/article\/2018\/06\/29\/des-moustiques-ogm-contre-le-paludisme-le-projet-qui-fait-debat-au-burkina_5323380_3212.html<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gene Drive Technologie birgt hohe Risiken. Dennoch wird sie von der Bill &amp; Melinda Gates Foundation als Ma\u00dfnahme gegen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_mi_skip_tracking":false},"categories":[1],"tags":[],"acf":[],"aioseo_notices":[],"cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2448"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2448"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2448\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5059,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2448\/revisions\/5059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}