{"id":4535,"date":"2022-04-15T10:04:32","date_gmt":"2022-04-15T08:04:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/?p=4535"},"modified":"2022-04-29T13:52:58","modified_gmt":"2022-04-29T11:52:58","slug":"uncbd_konferenz_maerz2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/uncbd_konferenz_maerz2022\/","title":{"rendered":"Internationale Verhandlungen zu Gene Drives nehmen Fahrt auf"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die UN-Konvention \u00fcber die biologische Vielfalt (UN CBD) und ihre Unterprotokolle sind die weltweit wichtigsten Foren zur Festlegung international verbindlicher Regelungen f\u00fcr die Gene-Drive-Technologie. Zum ersten Mal seit Beginn der COVID-Pandemie &#8211; nach mehr als zwei Jahren wiederholter Verschiebungen und Online-Sitzungen &#8211; trafen sich Regierungsvertreter:innen, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft, Wissenschaftler:innen und Wirtschaftslobbyisten wieder in Persona, um die internationalen Verhandlungen vom 14. bis 29. M\u00e4rz 2022 in Genf (Schweiz) aufzunehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend der zweieinhalb w\u00f6chigen Konferenz wurde in drei verschiedenen Gremien eine Reihe von Themen diskutiert, die zuvor in mehreren Online-Sitzungen er\u00f6rtert worden waren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Mittelpunkt der Genfer Treffen standen die Verhandlungen \u00fcber das so genannte <\/span><b>Post-2020 Global Biodiversity Framework (GBF)<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, mit dem der globale Biodiversit\u00e4tsverlust bis 2050 durch ein ganzheitliches Paket von Zielen und Ma\u00dfnahmen gebremst und umgekehrt werden soll. Diese Vereinbarung wird auf der 15. Tagung der Vertragsparteien (COP 15) der UN-Biodiversit\u00e4tskonvention (CBD), die im August 2022 in Kunming, China, stattfinden soll, abgeschlossen und zur Abstimmung gestellt.<\/span><\/p>\n<h1><b>Globaler Rahmen f\u00fcr die biologische<\/b><b> Vielfalt, Ziel 17 &#8211; Verhinderung von Sch\u00e4den durch Biotechnologien<\/b><\/h1>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Hinblick auf die Regulierung von Biotechnologien wie Gene Drives waren die Diskussionen um Ziel 17 von besonderer Bedeutung. Mit diesem Ziel sollen Schutz-Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die biologische Vielfalt vor den Auswirkungen von Biotechnologien verst\u00e4rkt werden. Die Stop Gene Drive Kampagne, als Teil der <a href=\"http:\/\/www.cbd-alliance.org\/\">CBD Alliance<\/a> &#8211; einem Zusammenschluss gleichgesinnter, zivilgesellschaftlicher Organisationen &#8211;\u00a0 forderte die Einf\u00fchrung eines Prozesses zur Antizipierung, \u00dcberwachung und Regulierung neuartiger Biotechnologien, sodass negative Auswirkungen auf die Biodiversit\u00e4t vermieden werden k\u00f6nnen. Die CBD Alliance betonte in diesem Zusammenhang auch die Notwendigkeit, die Rechte potenziell betroffener indigener V\u00f6lker und lokaler Gemeinschaften zu wahren &#8211; insbesondere deren Recht, sich gegen den Einsatz von Biotechnologien auszusprechen, die sich negativ auf ihre Territorien und ihre Gew\u00e4sser auswirken k\u00f6nnten. Im Ziel 17 sollte weiterhin festgelegt werden, auf welche Weise Sch\u00e4den, die trotz Vorkehrungen entstehen, zu entsch\u00e4digen sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend CBD-Vertragsparteien wie Bolivien, \u00c4thiopien und Mexiko die Aufnahme dieser Elemente in den Text forderten, versuchten andere Vertragsparteien, allen voran Brasilien, den Zweck dieses Ziels zu untergraben, indem sie einen Absatz \u00fcber den potenziellen positiven Nutzen der Biotechnologien f\u00fcr die biologische Vielfalt einf\u00fcgten. W\u00e4hrend die CBD-Alliance dazu aufrief, ein breites Spektrum von Technologien im Rahmen dieses Ziels zu erfassen, versuchten einige Parteien durch spezifische Definitionen die Arten von Technologien, die \u00fcberwacht werden sollten, einzuschr\u00e4nken. <\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/9207\/de3b\/e66eebc20ccb2cf92bcac0c0\/wg2020-3-non-paper-cg4-target-17-v1-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">Dies<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> ist der Textentwurf, der das Resultat <\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/0699\/194f\/f6f2fddcad67de3bbf0b5a5e\/wg2020-03-cg-04-report-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">dieser Diskussionsbeitr\u00e4ge<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> auch aus vergangenen Treffen widerspiegelt.<\/span><\/p>\n<h2><b>SBSTTA &#8211; Tagesordnungspunkte 4 und 5: Bewertung der Gene-Drive-Technologie<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend die Diskussionen rund um das GBF haupts\u00e4chlich von einem Gremium namens &#8220;Open Ended Working Group&#8221; gef\u00fchrt wurden, fand in Genf auch die Sitzung eines beratenden Gremiums der CBD, dem &#8220;Subsidiary Body on Scientific, Technical Technological Advice&#8221; (SBSTTA) statt, welches allgemeine und langj\u00e4hrige Fragen im Rahmen des \u00dcbereinkommens \u00fcber die biologische Vielfalt er\u00f6rtert und Texte zur Annahme durch die COP vorbereitet. Einige davon sind im Hinblick auf die Regulierung der Gene Drive Technologie von besonderem Interesse:<\/span><\/p>\n<p><b>SBSTTA<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 <\/span><b>Punkt 4<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> befasst sich mit dem Thema der <\/span><b>synthetischen Biologie<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, einem aufstrebenden Bereich der Biotechnologie, der darauf abzielt, neue lebende Organismen im Labor zu gestalten oder zu erschaffen, die in der Natur nicht vorkommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Der aktuelle Stand der Verhandlungen zu diesem Punkt spiegelt sich in <\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/514a\/7182\/942934bf394fc171a9a2800a\/sbstta-24-l-05-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">Empfehlungsentw\u00fcrfen zur synthetischen Biologie<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> wider und ist das Ergebnis von Online-Verhandlungen, die im April und Mai 2021 stattfanden. Die Diskussionen konzentrierten sich auf die Einrichtung eines Prozesses im Rahmen der CBD, um neue technologische Entwicklungen im Bereich der synthetischen Biologie (wie Gene Drives) und ihre potenziellen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu antizipieren, zu \u00fcberwachen und zu bewerten. Die Stop Gene Drive-Kampagne begr\u00fc\u00dft die Einrichtung eines langfristigen \u00dcberwachungsprozesses und bef\u00fcrwortet die Bildung einer multidisziplin\u00e4ren technischen Expertengruppe (MTEG). Um die m\u00f6glichen Auswirkungen dieser Technologien zu bewerten sollten dieser Gruppe Expert*innen aus vielen wissenschaftlichen Disziplinien angeh\u00f6ren und die ein breites Spektrum an Wissenssystemen repr\u00e4sentieren. Die Stop Gene Drive Kampagne betont, dass der von dieser Gruppe geleitete Bewertungsprozess sozio\u00f6konomische, kulturelle, ethische und gesundheitliche Fragen ber\u00fccksichtigen muss. Die Stop Gene Drive Kampagne fordert au\u00dferdem, dass die Freisetzung von Gene-Drive-Organismen in die Natur das Vorsorgeprinzip umsetzen\u00a0 muss und dass zu diesem Zweck weitere Bedingungen festgelegt und erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, bevor eine Freisetzung in die Umwelt \u00fcberhaupt in Betracht gezogen werden sollte. <\/span><b>Aus Zeitgr\u00fcnden wurde dieser Tagesordnungspunkt in Genf nicht diskutiert, sondern zur weiteren Er\u00f6rterung auf der COP vertagt.<\/b><\/p>\n<p><b>SBSTTA Punkt 5<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> befasst sich mit der<\/span><b> Risikobewertung von gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> (lebenden, modifizierten Organismen, LMO). Dieser spezielle Bereich ist Gegenstand eines rechtsverbindlichen Unterprotokolls der Biodiversit\u00e4tskonvention, des so genannten <\/span><a href=\"https:\/\/bch.cbd.int\/protocol\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Cartagena-Protokolls<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, das nur von einem Teil der Vertragsparteien unterzeichnet wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Der aktuelle Verhandlungsstand des <\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/754e\/c1db\/243b475d941af2423ff555fe\/sbstta-24-l-06-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">Entwurfs der Empfehlungen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> zur Risikobewertung ist das Ergebnis virtueller Online-Verhandlungen, die im April und Mai 2021 stattfanden. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, ob (zus\u00e4tzliche) unverbindliche Leitf\u00e4den zur Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung von Gene Drive Organismen erstellt werden sollen. Strittige Punkte bei der Diskussion darum waren der Umfang dieser Leitf\u00e4den und die Zusammensetzung der Redaktionsgruppe. Die Stop Gene Drive Kampagne begr\u00fc\u00dft die Erstellung solcher Leitf\u00e4den. Sie sollten sich mit den spezifischen Risiken von Gene-Drive-Organismen im Allgemeinen befassen (im Gegensatz zu Leitlinien, die nur Gene-Drive-M\u00fccken abdecken). Die Empfehlungen sollten von einer heterogenen und transdisziplin\u00e4ren Gruppe von Experten, einschlie\u00dflich Organisationen der Zivilgesellschaft und indigener V\u00f6lker, ausgearbeitet werden und das Vorsorgeprinzip umsetzen.<\/span><b> Aus Zeitgr\u00fcnden wurde dieser Tagesordnungspunkt in Genf nicht diskutiert, sondern zur weiteren Er\u00f6rterung auf der COP vertagt.<\/b><\/p>\n<p><b>SBSTTA Punkt 6<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> befasst sich mit dem Thema invasiver <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">(gebietsfremder) <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Arten, die als einer der drei Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr den Verlust der biologischen Vielfalt gelten. Gene Drives werden von einigen zur Bek\u00e4mpfung invasiver Arten ins Gespr\u00e4ch gebracht.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend der Diskussionen zu diesem Tagesordnungspunkt in Genf wurden Gene Drives in den <\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/d714\/00af\/3c2979a07b1fdd93650ce346\/sbstta-24-l-08-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">Empfehlungsentwurf zu invasiven Arten<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> aufgenommen, der nun fordert, dass bei der Erw\u00e4gung von Gene Drives zur Bek\u00e4mpfung invasiver Arten das Vorsorgeprinzip angewandt werden sollte. <\/span><b>Weitere Diskussionen zu diesem Thema werden bei der COP stattfinden.<\/b><\/p>\n<h3><b>N\u00e4chste Schritte<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Tagesordnung in Genf war<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> sehr eng gestrickt, dennoch konnten die <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Vertragsparteien ihre Diskussionen \u00fcber die meisten Texte f\u00fcr das GBF nicht abschlie\u00dfen. Daher hat das CBD-Sekretariat angek\u00fcndigt, weitere Sitzungen abzuhalten. Die &#8216;Open Ended Working Group&#8217; (OEWG) wird daher vom 21. bis 26. Juni in Nairobi, Kenia, weiter \u00fcber die Ziele (z.B. Ziel 17) des GBF diskutieren. Ein weiteres Treffen wird vom 29. Juni bis 1. Juli 2022 in Bonn f\u00fcr den &#8216;Subsidiary Body on Implementation&#8217; (SBI) stattfinden, um Indikatoren zu diskutieren, mit denen \u00fcberwacht werden kann, ob die neuen GBF-Ziele richtig umgesetzt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Deutliche Fortschritte bei beiden Treffen werden entscheidend daf\u00fcr sein, ob der GBF von allen Vertragsparteien auf der COP, die im August in Kunming stattfinden wird, angenommen werden kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"> &#8212;&#8212;<\/span><\/p>\n<h4><b>Links und Ressourcen<\/b><\/h4>\n<ul>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\">Empfehlungsentwurf zur synthetischen Biologie (<\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/514a\/7182\/942934bf394fc171a9a2800a\/sbstta-24-l-05-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">CBD\/SBSTTA\/24\/L.5<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\">Empfehlungsentwurf zur Risikobewertung (<\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/754e\/c1db\/243b475d941af2423ff555fe\/sbstta-24-l-06-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">CBD\/SBSTTA\/24\/L.6<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\">Empfehlungsentwurf zu invasiven gebietsfremden Arten (<\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/d714\/00af\/3c2979a07b1fdd93650ce346\/sbstta-24-l-08-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">CBD\/SBSTTA\/24\/L.8<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400;\">Bericht der Ko-Leiter der Kontaktgruppe 4, einschlie\u00dflich des konsolidierten Textes zu Ziel 17 (<\/span><a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/0699\/194f\/f6f2fddcad67de3bbf0b5a5e\/wg2020-03-cg-04-report-en.pdf\"><span style=\"font-weight: 400;\">CBD\/WG2020\/3\/CG\/4\/REPORT<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die UN-Konvention \u00fcber die biologische Vielfalt (UN CBD) und ihre Unterprotokolle sind die weltweit wichtigsten Foren zur Festlegung international verbindlicher Regelungen f\u00fcr die Gene-Drive-Technologie. 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