{"id":7655,"date":"2024-07-05T20:39:29","date_gmt":"2024-07-05T18:39:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/?p=7655"},"modified":"2024-10-23T21:10:38","modified_gmt":"2024-10-23T19:10:38","slug":"rueckblick-auf-die-sbstta-26-was-ist-mit-gene-drives-geschehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/rueckblick-auf-die-sbstta-26-was-ist-mit-gene-drives-geschehen\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf die SBSTTA 26 \u2013 Was ist mit Gene Drives geschehen?"},"content":{"rendered":"<p>Auf der 26. Sitzung des Nebenorgans f\u00fcr wissenschaftliche, technische und technologische Beratung (SBSTTA 26) des \u00dcbereinkommens \u00fcber die biologische Vielfalt (CBD) stand das Thema Gene Drives auf der Tagesordnung. Es ging dabei sowohl um das Horizon-Scanning im Rahmen der CBD zur Erkennung neuer Herausforderungen durch synthetische Biologie als auch um die Leitlinien f\u00fcr Risikoabsch\u00e4tzung und Risikomanagement gem\u00e4\u00df dem Protokoll \u00fcber die biologische Sicherheit. Die Organisation Stop Gene Drives verfolgte die Vorbereitung der zu verabschiedenden Texte f\u00fcr die kommende Konferenz der Vertragsparteien (COP16) in Cali, Kolumbien, im Oktober genau.<\/p>\n<p>Auf der letzten COP15 im Jahr 2022, bei der das \u201eKunming-Montreal Global Biodiversity Framework 2020\u201c verabschiedet wurde, wurden auch zwei wegweisende Beschl\u00fcsse zur synthetischen Biologie und zur Risikoabsch\u00e4tzung von Gene Drives gefasst. Es wurden zwei ad hoc technische Expert:innengruppen (AHTEG) eingesetzt: Eine multidisziplin\u00e4re Gruppe (mAHTEG) sollte eine Methodik f\u00fcr Horizon-Scanning, Technologiebewertung und Monitoring entwickeln, um die Auswirkungen zuk\u00fcnftiger Technologien auf die biologische Vielfalt zu bewerten. Die multidisziplin\u00e4re Zusammensetzung war hart umk\u00e4mpft und bleibt ein kontroverses Thema. Barbara Pilz von Stop Gene Drives war Mitglied dieser Gruppe. Die zweite AHTEG, ohne das &#8220;m&#8221;, konzentrierte sich auf die Entwicklung freiwilliger Leitlinien f\u00fcr die Risikoabsch\u00e4tzung von M\u00fccken, die Gene Drives enthalten.<\/p>\n<p>Die Gruppen erstellten Berichte zur <a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/8cb2\/d007\/23a9f799fb31180cb353d6e2\/sbstta-26-04-en.pdf\">synthetischen Biologie<\/a> und zur fallweise durchgef\u00fchrten <a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/c\/4f06\/1b36\/8b492e0029a3a287868fdbdb\/sbstta-26-05-en.pdf\">Risikoabsch\u00e4tzung von lebenden, modifizierten Organismen, die Gene Drives<\/a> enthalten. Von diesen Berichten ausgehend, sollten nationale Vertreter:innen in Nairobi Empfehlungen f\u00fcr die COP16 ausprechen.<\/p>\n<p>Am ersten Tag der SBSTTA 26 wurden beide Themen im Plenum diskutiert, um festzustellen, ob sie so kontrovers sind, dass weitere Gruppendiskussionen (sogenannte \u201eKontaktgruppen\u201c in der UN-Terminologie) erforderlich sind oder ob sie direkt im Plenum behandelt werden k\u00f6nnen. Die von der AHTEG entwickelten Leitlinien zur Risikoabsch\u00e4tzung von Gene Drives identifizierten bedeutende Risiken und Unsicherheiten, wie zum Beispiel den Gentransfer auf Nichtzielorganismen, potenzielle grenz\u00fcberschreitende Bewegungen und erhebliche Risiken f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit. Die Lietlinien wurden stark daf\u00fcr kritisiert, dass sie alte Methoden f\u00fcr GVOs und nicht f\u00fcr die neuen Herausforderungen von Gene Drives benutzten. Es wurden auch Fragen zu potenziellen Interessenkonflikten innerhalb der AHTEG aufgeworfen.<\/p>\n<p>Die Diskussionen \u00fcber die AHTEG waren weniger umstritten als jene \u00fcber die synthetische Biologie. Dennoch wurden bedeutende Textabschnitte in eckige Klammern gesetzt, was darauf hinweist, dass kein Konsens erreicht wurde und weitere Diskussionen auf der COP16 notwendig sein werden. Die Mehrheit im Plenum begr\u00fc\u00dfte die Arbeit der AHTEG, w\u00e4hrend einige jedoch argumentierten, dass keine weiteren AHTEG-Sitzungen notwendig seien. Viele L\u00e4nder, insbesondere afrikanische Staaten, in denen Gene Drives m\u00f6glicherweise zuerst getestet werden k\u00f6nnten, forderten jedoch pr\u00e4zisere Leitlinien, die Praktikern wirklich bei der Risikoabsch\u00e4tzung helfen k\u00f6nnten. Die COP16 muss nun entscheiden, ob das Cartagena-Protokoll seine Expert:innengruppe weiterhin beibeh\u00e4lt und den Vertragsparteien Aufsicht und Ressourcen bietet oder ob dieses Kapitel geschlossen wird. Wie \u00fcblich bestand allgemeiner Konsens \u00fcber die Notwendigkeit einer verst\u00e4rkten Aufbau von Kapazit\u00e4ten, vor allem in sogenannten Entwicklungsl\u00e4ndern. Nichtregierungsorganisationen und Jugendvertreter:innen betonten das Vorsorgeprinzip und kritisierten das blinde Vertrauen in Computermodellen in den Leitf\u00e4den. Sie forderten weitere AHTEG-Sitzungen und verfeinerte, an Gene-Drive angepasste, Methoden.<\/p>\n<p>Bei den Diskussionen zur synthetischen Biologie war der Bericht der multidisziplin\u00e4ren ad hoc Expert:innengruppe (mAHTEG) aufschlussreich, obwohl nur begrenzt Zeit zur Verf\u00fcgung stand, um Technologien nach der Entwicklung umfangreicher Methodiken zu bewerten. Die Expert:innen stellten fest, dass einige der bewerteten Technologien Vorsichtsma\u00dfnahmen und umfassendere Gutachten erfordern, einschlie\u00dflich sozio\u00f6konomischer, kultureller und ethischer Aspekte. Der Bericht empfahl ausdr\u00fccklich, solche eingehenden Gutachten f\u00fcr Gene Drives durchzuf\u00fchren. In den Debatten zeigte sich eine klare Teilung zwischen jenen, die weiterhin Horizon-Scanning bef\u00fcrworteten, und anderen, die einen Schwerpunkt auf Kapazit\u00e4tsaufbau verlagern wollten. Die afrikanische Gruppe erkannte den Wert einer Expert:innengruppe, die aufkommende Technologien bewerten und staatliche Entscheidungen informieren konnte, und forderte gleichzeitig Kapazit\u00e4tsaufbau, Technologietransfer und Zusammenarbeit im Bereich der synthetischen Biologie. Es gab jedoch Unterschiede dar\u00fcber, was dies beinhalten w\u00fcrde, und es wurde gefragt, wann die Diskussionen von Risiken zu Vorteilen \u00fcbergehen w\u00fcrden, was auf ein Interesse an der Entwicklung von Gene Drives hindeutete. Andere afrikanische Staaten pl\u00e4dierten hingegen f\u00fcr \u201eangemessene\u201c Technologietransfers, um zu vermeiden, dass sie zum Testgebiet f\u00fcr unsichere und ungetestete westliche Technologien werden.<\/p>\n<p>Einige L\u00e4nder, insbesondere Argentinien, Brasilien, Japan und Neuseeland, unterst\u00fctzten die Forderung nach einer Anerkennung der Vorteile stark. Argentinien schlug w\u00e4hrend der Plenarsitzung einen Aktionsplan f\u00fcr synthetische Biologie vor, der die F\u00f6rderung solcher Technologien weltweit zum Ziel h\u00e4tte.<\/p>\n<p>In der Kontaktgruppe standen zwei gegens\u00e4tzliche Optionen zur Debatte:<\/p>\n<ol>\n<li>Fortsetzung der mAHTEG mit ordnungsgem\u00e4\u00dfem Horizon-Scanning sowie Kapazit\u00e4tsaufbau auch f\u00fcr Risikoabsch\u00e4tzung und Monitoring<\/li>\n<li>F\u00f6rderung der synthetischen Biologie weltweit mit einem neuen Aktionsplan und Reduktion der mAHTEG auf eine Literaturrecherche<\/li>\n<\/ol>\n<p>Brasilien kritisierte die Mitglieder der mAHTEG als wenig fachkundig, und andere Staaten unterst\u00fctzten diese Einsch\u00e4tzung. Die Bewertung der mAHTEG, dass diese Technologien nicht nur f\u00fcr die biologische Vielfalt, sondern auch f\u00fcr die Gesellschaft und Lebensgrundlagen Risiken darstellen, wurde offensichtlich von Staaten, die die synthetische Biologie f\u00f6rdern, nicht gut aufgenommen. Es gab weitere Versuche, den Prozess zu behindern, \u00e4hnlich wie bei der COP15, wo ein Delegierter sich r\u00fchmte, den Prozess \u201ezum Scheitern gebracht\u201c zu haben.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/recommendations\/sbstta-26\/sbstta-26-rec-04-en.pdf\">Empfehlungen<\/a>, die die SBSTTA-Delegierten schlie\u00dflich an die COP16 weiterleiteten, spiegeln nicht die klaren Formulierungen und Empfehlungen der mAHTEG wider, insbesondere in Bezug auf Gene Drives. Es ist entscheidend, dass die mAHTEG in ihrer derzeitigen oder einer erweiterten Form fortgef\u00fchrt wird und nicht nur auf eine \u00dcberpr\u00fcfung haupts\u00e4chlich englischsprachiger Literatur aus \u00fcberwiegend westlichen Institutionen und von Patentinhaber:innen reduziert wird. Auch der Kapazit\u00e4tsaufbau und Technologietransfer muss dazu beitragen, die Unterschiede zwischen st\u00e4rker und weniger industrialisierten L\u00e4ndern zu verringern, anstatt als Testgebiet f\u00fcr potenziell sch\u00e4dliche Technologien zu dienen.<\/p>\n<p>Das f\u00fcr die COP16 vorbereitete <a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/doc\/recommendations\/sbstta-26\/sbstta-26-rec-05-en.pdf\">Dokument<\/a> legt nahe, dass die derzeitigen Methoden ausreichen, um die Umwelt- und sozio\u00f6konomischen Auswirkungen von Gene Drives zu bewerten, was irref\u00fchrend ist. Diese Methoden wurden urspr\u00fcnglich zur Bewertung der Risiken von GVOs entwickelt, die in begrenzten landwirtschaftlichen Umgebungen angebaut werden. Dies unterscheidet sich grundlegend von Gene Drives, die darauf ausgelegt sind, sich in der Umwelt auszubreiten und ganze Arten in ihren nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4umen zu ver\u00e4ndern. Diese Unzul\u00e4nglichkeit betrifft auch die \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten, was es erschwert, GDOs effektiv zu managen, falls Probleme auftreten.<\/p>\n<p>Es sind erhebliche Anstrengungen erforderlich, sowohl vor als auch w\u00e4hrend der COP16, um sicherzustellen, dass sich die Vertragsparteien f\u00fcr die Fortsetzung der mAHTEG im Bereich Horizon-Scanning f\u00fcr synthetische Biologie und der AHTEG f\u00fcr Risikoabsch\u00e4tzung einsetzen. Diese Anstrengungen sind entscheidend, um eine wirklich robuste Methodik f\u00fcr die Bewertung der mit Gene Drives verbundenen Risiken zu entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bewertung der Ergebnisse der 26. Tagung des SBSTTA in Nairobi mit besonderem Schwerpunkt auf Gene-Drives und dem weiteren Weg bis zur COP 16.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7565,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_mi_skip_tracking":false},"categories":[7,11],"tags":[],"acf":[],"aioseo_notices":[],"cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7655"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7655"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7655\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7658,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7655\/revisions\/7658"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7565"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stop-genedrives.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}