European Parliament: no promotion of genetic technologies in development policy!

On 6.10.2021, the European Parliament in its plenary session called on the EU Commission and EU member states with its report on "The role of development policy in combating biodiversity loss in developing countries in the context of the implementation of the 2030 Agenda" to actively protect the rights of future generations, not to promote gene technologies with development aid funds and in particular not to allow the release of Gene Drive organisms.

Mareike Imken, coordinator of the European Stop Gene Drive campaign, welcomes this resolution:
"Here, for the third time in a row, the European Parliament reinforces its demand not to use Gene Drive technology for precautionary reasons. This demand is also important because the first field trials with the Gene Drive technology are to be implemented in the next few years in Burkina Faso by the Target Malaria project consortium." As noble as the goal thus pursued is to combat malaria - it is also important not to take lightly the unpredictable and potentially catastrophic consequences of transboundary, uncontrollable and irreversible genetic modification or eradication of mosquitoes, he said. "I urge the EU Commission and the member states to implement the demands of the European Parliament nationally and internationally!" said Imken.
In paragraph 32, the European Parliament deepens its demand of June 8, 2021, from the EU Biodiversity Strategy and its resolution of January 16, 2020, on the 15th

Conference of the Parties to the UN Convention on Biological Diversity:
"[The European Parliament] notes that Gene Drive technology, as in genetically modified mosquitoes to control vector-borne diseases, poses serious and novel threats to the environment and nature, including irreversible changes in food supply chains and ecosystems, as well as losses of biodiversity - diversity on which the world's poorest depend for their livelihoods. Reiterates its concern about the new legal, environmental, biosafety, and governance challenges that could result from the release of organisms modified by Gene Drive into the environment, even if the release is for conservation purposes; Reaffirms that the free, prior and informed consent of indigenous peoples and local communities must be obtained before introducing technologies that may affect their traditional knowledge, innovation, habits and circumstances, as well as land use and resource and water consumption; stresses that this must involve all potentially affected populations in a participatory manner in advance; Considers that gene drive technologies raise concerns about the difficulty of predicting the behavior of affected organisms and that gene drive modified organisms could themselves become invasive species, and therefore, in accordance with the precautionary principle, the release of gene drive modified organisms should not be allowed, even for the purpose of conservation.

From Mareike Imken's point of view, it would be an important further step, also in view of the bad experiences with patented genetically modified seeds in Africa and Latin America, to implement the demand in paragraph 28 of the European Parliament in national development aid programs. In paragraph 28, the European Parliament urges the Commission and Member States to "take into account the Union's obligations under international conventions and also to ensure that no genetic modification technologies are promoted in developing countries with development aid funds."
This resolution is a non-binding opinion of the European Parliament with recommendations for international cooperation also in international conventions such as UN CBD, UNEP, FAO and trade agreements. To implement these recommendations, the EU Commission would have to take them up in its own legislative proposal, which would then have to be confirmed by the European Parliament and EU member states. However, these recommendations could also find their way into less formally agreed negotiating positions of the EU in its international work.

 

 

------
On the resolution:

European Parliament resolution of 6 October 2021 on the role of development policy in halting biodiversity loss in developing countries in the context of the implementation of the 2030 Agenda (2020/2274(INI)) - Para 32 on Gene Drives.

Previous European Parliament resolution on Gene Drives:
Report on "EU Biodiversity Strategy for 2030: More space for nature in our lives (2020/2273(INI)) - Para 148 on Gene Drives.
European Parliament resolution of 16 January 2020 on the 15th meeting of the Conference of the Parties (COP15) to the Convention on Biological Diversity (2019/2824(RSP)) - para. 15 on Gene Drives


Parlamentsbericht zur EU Biodiversitätsstrategiefür 2030 betont das Vorsorgeprinzip

Europaparlament: keine Förderung von Gentechnologien in der Entwicklungspolitik!

Am 6.10.2021 forderte das Europaparlament bei seiner Plenarsitzung die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten mit seinem Bericht zur "Rolle der Entwicklungspolitik bei der Bekämpfung des Verlusts der biologischen Vielfalt in den Entwicklungsländern im Zusammenhang mit der Umsetzung der Agenda 2030" dazu auf, die Rechte zukünftiger Generationen aktiv zu schützen, keine Gentechnologien mit Geldern der Entwicklungshilfe zu fördern und insbesondere die Freisetzung von Gene Drive Organismen nicht zu gestatten.

Mareike Imken, Koordinatorin der europäischen Stop Gene Drive Kampagne, begrüßt diese Entschließung:
„Das Europaparlament bestärkt hier zum dritten Mal in Folge seine Forderung, die Gene Drive Technologie aus Vorsorgeerwägungen nicht einzusetzen. Diese Forderung ist auch deshalb so wichtig, da erste Feldversuche mit der Gene Drive Technologie in den nächsten Jahren in Burkina Faso durch das Projektkonsortium Target Malaria umgesetzt werden sollen.“ So hehr das damit verfolgte Ziel, die Malaria bekämpfen zu wollen – so wichtig sei es auch, die unvorhersehbaren und möglicherweise katastrophalen Konsequenzen der grenzüberschreitenden, unkontrollierbaren und unwiderruflichen gentechnischen Veränderung oder Ausrottung von Mücken nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Ich fordere EU-Kommission und den Mitgliedsstaaten dringend dazu auf, die Forderungen des Europaparlaments national und international umzusetzen!“ so Imken.

In Paragraf 32 vertieft das Europaparlament seine Forderung vom 8. Juni 2021 aus der EU-Biodiversitätsstrategie und seiner Entschließung vom 16. Januar 2020 zur 15. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Biodiversitätskonvention:

„[Das Europäische Parlament] stellt fest, dass die Gene Drive Technologie wie bei genetisch veränderten Mücken zur Eindämmung von vektorübertragenen Krankheiten schwerwiegende und neuartige Gefahren für Umwelt und Natur darstellen, darunter unumkehrbare Änderungen in den Lebensmittelversorgungsketten und Ökosystemen sowie Verluste an biologischer Vielfalt – eine Vielfalt, auf die die Ärmsten der Welt für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind; bekräftigt seine Besorgnis angesichts der neuen Herausforderungen in den Bereichen Recht, Umwelt, biologische Sicherheit und Regierungsführung, die sich aus der Freisetzung von durch Gene Drive veränderten Organismen in die Umwelt ergeben könnten, selbst wenn die Freisetzung zu zum Zwecke der Erhaltung der Natur erfolgt; bekräftigt, dass die freie, vorherige und in Kenntnis der Sachlage erteilte Zustimmung der indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften eingeholt werden muss, bevor Technologien eingeführt werden, die sich auf deren traditionelles Wissen, Innovation, Gebräuche und Lebensumstände sowie auf die Landnutzung und den Ressourcen- und Wasserverbrauch auswirken können; betont, dass dabei alle möglicherweise betroffenen Bevölkerungsgruppen im Vorfeld auf partizipative Weise einbezogen werden müssen; vertritt die Auffassung, dass Genantriebstechnologien Anlass zu Bedenken hinsichtlich der Schwierigkeiten geben, das Verhalten der betroffenen Organismen vorherzusagen, und dass durch Genantrieb veränderte Organismen sich selbst zu invasiven Arten wandeln könnten, weshalb nach Maßgabe des Vorsorgeprinzips die Freisetzung von durch Gene Drive veränderten Organismen nicht gestattet werden sollte, auch nicht zum Zwecke der Erhaltung der Natur“

Aus Sicht von Mareike Imken, wäre es ein wichtiger weiterer Schritt, auch angesichts der schlechten Erfahrungen mit patentiertem gentechnisch verändertem Saatgut in Afrika und Lateinamerika, die Forderung in Paragraf 28 des Europaparlaments in nationalen Entwicklungshilfeprogrammen umzusetzen. In Paragraf 28 fordert das Europäische Parlament die Kommission und die Mitgliedstaaten nachdrücklich dazu auf, „den Verpflichtungen der Union aus internationalen Übereinkommen Rechnung zu tragen und zudem dafür Sorge zu tragen, dass in Entwicklungsländern mit Geldern aus der Entwicklungshilfe keine Technologien zur genetischen Veränderung gefördert werden.“

Bei dieser Entschließung handelt es sich um eine unverbindliche Stellungnahme des Europäischen Parlaments mit Empfehlungen zur internationalen Zusammenarbeit auch in internationalen Konventionen wie UN CBD, UNEP, FAO und Handelsabkommen. Um diese Empfehlungen umzusetzen, müsste die EU-Kommission sie in einem eigenen Legislativvorschlag aufgreifen, der dann vom Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten bestätigt werden müsste. Diese Empfehlungen könnten ihren Weg jedoch auch in weniger formell vereinbarte Verhandlungspositionen der EU bei ihrer internationalen Arbeit finden.

 

 

------

Zur Entschließung:

 

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 6. Oktober 2021 zu der Rolle der Entwicklungspolitik bei der Eindämmung des Verlusts an biologischer Vielfalt in Entwicklungsländern vor dem Hintergrund der Umsetzung der Agenda 2030 (2020/2274(INI)) – Para 32 zu Gene Drives.

 

Vorherige Resolution des Europaparlaments zu Gene Drives:

Bericht über das Thema „EU-Biodiversitätsstrategie für 2030: Mehr Raum für die Natur in unserem Leben (2020/2273(INI)) – Para. 148 zu Gene Drives

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 16. Januar 2020 zu der 15. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien (COP15) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (2019/2824(RSP)) - Para. 15 zu Gene Drives


IUCN am Scheideweg: Gene Drives für den Naturschutz?

Am Freitag, den 10.09.2021, stimmte die Weltnaturschutzunion IUCN auf ihrem Weltkongress über einen umstrittenen Antrag ab, der eine breite interne Diskussion zum Einsatz der synthetischen Biologie, einschließlich der Nutzung von Gentechnik und Gene Drives im Naturschutz in den nächsten drei Jahren unter IUCN Mitgliedern einleiten soll.

Mit der Verabschiedung der Resolution 075 erkannten die Mitglieder der IUCN an, dass es große Daten- und Wissenslücken sowie ungelöste ethische, soziale, kulturelle und ökologische Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung von Technologien gibt, die derzeit zur gentechnischen Veränderung wild lebender Arten entwickelt werden. Die Resolution 075 legt fest, dass diese Ungewissheiten eine Anwendung des Vorsorgeprinzips erfordern und bei der Positionierung der IUCN zu diesem Thema berücksichtigt werden müssen. In diesem Zusammenhang kamen die IUCN-Mitglieder auch überein, den Perspektiven, dem Wissen und den Rechten indigener Völker und lokaler Gemeinschaften bei ihren Beratungen über diese Technologien in den kommenden drei Jahren einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Mareike Imken, Koordinatorin der europäischen Stop Gene Drive Kampagne, begrüßt das Bekenntnis der IUCN zum Vorsorgeprinzip und ihre Absicht,  unter ihren Mitgliedern eine Prozess zur Diskussion und Verständigung über den Einsatz gentechnischer Verfahren für den Naturschutz einzuleiten.

"Ein breiter und inklusiver Diskussionsprozess der IUCN wird entscheidend dafür sein, das Bewusstsein der IUCN-Mitglieder dafür zu schärfen, dass der Eingriff in die natürlichen Evolutionsregeln durch die Anwendung der Gene-Drive-Technologie eine neue Dimension des Eingriffs in die natürliche Welt darstellt und deren irreversible Veränderung mit sich bringt."

Die Verhandlungen um diese umstrittene Resolution waren geprägt von zwei Polen: zivilgesellschaftliche Gruppen, die die IUCN aufforderten, die Freisetzung von Organismen der  synthetischen Biologie nicht zu unterstützen versus Befürworter der Gene-Drive-Technologie, die sich dafür einsetzten, dass synthetische Biologie, einschließlich der Gene-Drive-Technologie, als Instrument für den Naturschutz akzeptiert wird.

Zur Pressemitteilung auf Englisch.

Zur Resolution 075 "Towards the Development of an IUCN Policy on Synthetic Biology for Nature Conservation"

Hintergrund zur Abstimmung der Resolution 075 in der IUCN

Eine kleine Gruppe von Befürwortern der synthetischen Biologie, die in der IUCN aktiv ist, argumentiert, dass die Gene-Drive-Technologie für Naturschutzzwecke genutzt werden sollte. Ein Beispiel dafür ist das Projektkonsortium Genetic Biocontrol of Invasive Rodents (GBIRd), dem auch die IUCN-Mitgliedsorganisation Island Conservation angehört und das mit Gene Drive ausgestattete Mäuse entwickelt, die auf Inseln ausgesetzt werden sollen - angeblich, um die Mäuse auszurotten, die Vögeln schaden.

Mit der IUCN-Resolution "WCC-2016-Res-086", die auf der IUCN-Mitgliederversammlung in Hawaii 2016 verabschiedet wurde, wurde die IUCN beauftragt, bis 2020 eine Richtlinie zur Synthetischen Biologie und zum Schutz der biologischen Vielfalt zu entwickeln. Sowohl IUCN-Mitglieder als auch Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen haben jedoch die Art und Weise kritisiert, wie dieser Plan umgesetzt wurde. Sie wiesen darauf hin, dass das Bewusstsein der IUCN-Mitglieder für die grundlegenden Fragen, die eine solche IUCN-Position aufwerfen würde, derzeit unzureichend ist. Darüber hinaus wurde kritisiert, dass der IUCN-Bewertungsbericht "Genetic Frontiers for Conservation", der größtenteils von Befürwortern der Technologie verfasst wurde, keine ausreichende Grundlage für die Abstimmung über eine solche Politik bietet.

Zur gemeinsamen Pressemitteilung vom 4.09.2021 mit dem Deutschen Naturschutzring (DNR)

Zum Hintergrund der Diskussionen um Resolution 75 in der IUCN

Zu unserem Briefing für IUCN Delegierte zu Resolution 075

---

Weitere Publikationen zum Thema

ETC Group 2019: A review of the evidence for bias and conflict of interest in the IUCN report on synthetic biology and gene drive organisms.

Testbiotech 2019: Testbiotech comment on the IUCN report “Genetic frontiers for conservation, an assessment of synthetic biology and biodiversity conservation.

ENSSER 2021: A critique of the IUCN report ‘Genetic Frontiers for Conservation’. An assessment An assessment of synthetic biology and biodiversity conservation’ – with regards to its assessment of gene drives


Genetic engineering of wild species? IUCN at a crossroads.

Should nature conservationists back genetic engineering of wild species in order to counter the impact of human activity?

On Friday, 10.09.2021, the International Union for the Conservation of Nature, IUCN, at its World Congress voted on a controversial motion questioning the use of genetic engineering in nature conservation. The IUCN members approved this landmark motion, which paves the way for a global dialogue on the future of new forms of this engineering, called synthetic biology, including gene drive organisms. Gene drives are a new form of genetic engineering, which is designed to exterminate or genetically modify entire wild species.

By passing important amendments to Resolution 075, international conservation representatives recognized that there exist major data and knowledge gaps as well as unsolved ethical, social, cultural and ecological issues around the technologies developed to genetically engineer wild species. Resolution 075 stipulates that these uncertainties necessitate the application of the precautionary principle and must be taken into consideration by any position the IUCN may decide to take on the topic. In this regard IUCN members also agreed to prioritize the perspectives, knowledge and rights of Indigenous people’s and local communities in their deliberations on these technologies during the coming 3 years.

Mareike Imken, co-ordinator of the European Stop Gene Drives campaign welcomes the IUCNs commitment to the precautionary principle and its intention to foster increased understanding and debate among its members around the use of genetic engineering technologies for nature conservation purposes.

A broad and inclusive IUCN discussion process will be crucial to raise awareness among IUCN members that the tampering with natural evolutionary rules in the application of gene drive technology will bring about a new dimension of intervening with – and irreversibly changing - the natural world that IUCN itself means to preserve.”

The contentious negotiations around this resolution were divide between civil society groups calling for the IUCN to not endorse environmental releases of synthetic biology applications, and pro-gene drive proponents who advocated for synthetic biology, including gene drives, to be accepted as a tool for nature conservation. One of the gene drive proponents, IUCN member Island Conservation, advocates to use gene drives to eradicate invasive mice on islands.

Press release here

###

History of the motion process in the IUCN

With IUCN Resolution “WCC-2016-Res-086” adopted at its Members’ Assembly in Hawaii 2016, the IUCN was tasked to develop a policy on Synthetic Biology and Biodiversity Conservation for adoption by 2020. However, both IUCN members  and members of civil society organisations  criticised the way this plan was carried out. They pointed out that there currently is insufficient awareness among IUCN members about the fundamental questions that such an IUCN position would raise. In addition, the IUCN assessment report “Genetic Frontiers for Conservation” which was largely drafted by boosters of the technology was criticized to provide an insufficient basis for the vote on such a policy.

Delegates Briefing in English here

Delegates Briefing in French here

Delegates Briefing in Spanish here

Press release from 4.09.2021 in English here

---

Recommended reading:

ETC Group 2019: A review of the evidence for bias and conflict of interest in the IUCN report on synthetic biology and gene drive organisms.

Testbiotech 2019: Testbiotech comment on the IUCN report “Genetic frontiers for conservation, an assessment of synthetic biology and biodiversity conservation.

ENSSER 2021: A critique of the IUCN report ‘Genetic Frontiers for Conservation’. An assessment An assessment of synthetic biology and biodiversity conservation’ – with regards to its assessment of gene drives


Infostand beim IUCN-Weltkongress

 

Samstag, 04.09.2021 - Freitag, 10.09.2021 // 10:00 bis 20:30 Uhr

Ausstellungsstand "Stop Gene Drives" in der Ausstellung des IUCN-Weltkongresses, Neutral zone - Stand A 2

 

 


Online-Pressekonferenz: "Gentechnisch veränderte Ökosysteme? - Naturschutz am Wendepunkt".

 

Montag, 06.09.2021 - 10:15 bis 10:45 Uhr

Registrieren Sie sich, um den Link zum Pressekonferenzraum zu erhalten, indem Sie eine E-Mail an imken@saveourseeds.org schicken - Code: press conference

 


Veranstaltung: "Ökosystemtechnik und Artenausrottung durch Gentechnik?"

 

Samstag, 04.09.2021 - 18:30 bis 20:30 Uhr

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen des IUCN-Weltkongresses: "Ökosystemtechnik und Artenausrottung durch Gentechnik?" Grundlegende Fragen des Naturschutzes.

Nur vor Ort; Halle: H8 - Palais de l'Europe; Raum: H8 - 2 Forêt d'Orient

 


Exhibition stall „Stop Gene Drives“

 

Saturday, 4.09.2021 – Friday, 10.09.2021 // 10.00h – 22.00h  CET
in the IUCN World Congress Exhibition, Neutral zone – Stall A 2

 

 


European Parliament calls for ban on gene drive technology

Report on the EU' Biodiversity Strategy for 2030: Precaution prevails

9.06.2021, Berlin -The European Parliament yesterday confirmed it‘s precautionary stance towards the use of a new genetic engineering technology called gene drive.[i] In it´s report on the EU’s Biodiversity Strategy for 2030, adopted at the European Parliament’s plenary on 08.06.2021, Parliamentarians demand that no releases of genetically engineered gene drive organisms should be allowed, including for nature conservation purposes, in line with the precautionary principle.“

Mareike Imken, coordinator of the European Stop Gene Drive Campaign welcomes this decision and comments:With its position today, the European Parliament recognizes that this technology raises a series of scientific, regulatory, societal and ethical questions and concerns. As its use could severely harm biodiversity, the European Parliament calls to postpone any environmental releases until these questions have been addressed and settled. This is an important message that should feed into the ongoing discussions about global regulations at the next meeting of the International Union for Conservation of Nature (IUCN) in September in Marseille and those of the Convention on Biological Diversity in October in Kunming, China.“

27civil society and science organizations from across the EU had sent a letter to Parliamentarians in support of the amendment ahead of the vote. It provides reasonable suggestions on how to implement the European Parliament’s previous position in its resolution on the 15th meeting of the Conference of Parties (COP15) to the Convention on Biological Diversity (2019/2824(RSP)“.

In that previous position, adopted in January 2020, the European Parliament had called on the Commission and the Member States to call for a global moratorium at the COP15 on releases of gene drive organisms into nature, including field trials, in order to prevent these new technologies from being released prematurely and to uphold the precautionary principle, which is enshrined in the Treaty on the Functioning of the European Union as well as the CBD.

Background information:

Text adopted in the report on the EU Biodiversity Strategy for 2030: Bringing nature back into our lives (2020/2273(INI)):[ii]

The European Parliament,

148. “Is concerned about the new legal, environmental, biosafety and governance challenges that might arise from the release of genetically engineered gene drive organisms into the environment, including for nature conservation purposes; acknowledges the outcome of the Ad Hoc Technical Expert Group of the Convention on Biological Diversity on gene drives and living modified fish, which raises concerns about the difficulties of predicting their behavior, assessing their risks and controlling them after release; notes that gene drive organisms could become invasive species in themselves; considers that global and EU-level risk assessment guidance materials, tools and an environmental monitoring framework, as well as clear global governance and effective mechanisms for controlling and reversing the effects of gene drive organisms, should be fully developed, and that additional research is required on the health, environmental, ecological, ethical and other implications of gene drive organisms to better understand their potential impact; considers therefore that no releases of genetically engineered gene drive organisms should be allowed, including for nature conservation purposes, in line with the precautionary principle ; “.

---------------

Download the press release here.

Letter to MEPs by civil society organisations prior to the vote.

Report on the preceeding interactive online roundtable hosted by all rapporteurs to the European Parliament's own intiative report on the EU's Biodiversity Strategy, of 8th December 2020: Genetic engineering of wild species. Protection or destruction of nature?

[i] Voting results and margins for EU Biodiversity Strategy
[ii] Report on the EU Biodiversity Strategy for 2030: Bringing nature back into our lives


Europäisches Parlament fordert Verbot der Freisetzung von Gene Drive Organismen

Parlamentsbericht zur EU Biodiversitätsstrategiefür 2030 betont das Vorsorgeprinzip

Das Europäische Parlament bekräftigte in seiner Plenarabstimmung am 08.062021 seine vorsorgeorientierte Haltung gegenüber dem Einsatz eines neuen Gentechnikverfahren namens Gene Drive.[i] In ihrem Bericht zur EU-Biodiversitätsstrategie für 2030, fordern die Parlamentarier*innen, dass "im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip keine Freisetzungen von gentechnisch veränderten Gene Drive Organismen erlaubt werden sollten, auch nicht zu Naturschutzzwecken."

Mareike Imken, Koordinatorin der europäischen Stop Gene Drive Kampagne begrüßt diese Entscheidung und kommentiert: "Mit seiner heutigen Position erkennt das Europäische Parlament an, dass die Gene Drive Technologie eine Reihe von wissenschaftlichen, regulatorischen, gesellschaftlichen und ethischen Fragen und Bedenken aufwirft. Da ihr Einsatz die biologische Vielfalt stark beeinträchtigen könnte, fordert das Europäische Parlament, jegliche Freisetzung in die Umwelt aufzuschieben, bis diese Fragen geklärt sind. Dies ist eine wichtige Botschaft, die in die laufenden Diskussionen zur globale Regulierung der Technologie auf dem nächsten Treffen der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) im September in Marseille und in die laufenden Vor-Verhandlungen zur COP 15 des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Oktober einfließen sollte."

27 zivilgesellschaftliche und wissenschaftliche Organisationen aus der gesamten EU hatten vor der Abstimmung einen Brief an die Parlamentarier*innen geschickt, um den Passus zu unterstützen. Er enthalte „vernünftige Vorschläge dafür, wie die frühere Position des Europäischen Parlaments in der Entschließung zur 15. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien (COP15) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (2019/2824(RSP)) umgesetzt werden kann".

In dieser früheren Position, die im Januar 2020 verabschiedet wurde, hatte das Europäische Parlament die EU-Kommission und die EU-Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, „auf der COP15 ein globales Moratorium für Freisetzungen von Gene Drive-Organismen in die Natur, einschließlich Feldversuchen, zu fordern, um eine verfrühte Freisetzung dieser neuen Technologien zu verhindern und das Vorsorgeprinzip zu wahren, das sowohl im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union als auch in der CBD verankert ist.“

 

Hintergrundinformationen:

Dies ist der nun angenommene Passus, der im Bericht über das Thema „EU-Biodiversitätsstrategie für 2030: Mehr Raum für die Natur in unserem Leben“(2020/2273(INI)) durch das Plenum des Europäischen Parlaments angenommen wurde. [ii]:

Das Europäische Parlament,

148. ist besorgt über die neuen Herausforderungen in den Bereichen Recht, Umwelt, biologische Sicherheit und Regierungsführung, die sich aus der Freisetzung von durch Genantrieb veränderten Organismen in die Umwelt, auch zu Naturschutzzwecken, ergeben könnten; nimmt den Bericht der Ad-hoc-Sachverständigengruppe des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zu durch Genantrieb veränderten Organismen und lebenden veränderten Fischen zur Kenntnis, in dem Bedenken hinsichtlich der Schwierigkeiten geäußert werden, ihr Verhalten vorherzusagen, ihre Risiken zu bewerten und sie nach der Freisetzung zu kontrollieren; stellt fest, dass durch Genantrieb veränderte Organismen selbst zu invasiven Arten werden könnten; ist der Ansicht, dass auf globaler und EU-Ebene Leitfäden zur Risikobewertung, Instrumente und ein Rahmen für die Umweltüberwachung sowie eine klare globale Steuerung und wirksame Mechanismen zur Kontrolle und Umkehrung der Auswirkungen von durch Genantrieb veränderten Organismen vollständig entwickelt werden sollten und dass zusätzliche Forschung zu den gesundheitlichen, umweltrelevanten, ökologischen, ethischen und anderen Auswirkungen von durch Genantrieb veränderten Organismen erforderlich ist, um ihre potenziellen Auswirkungen besser zu verstehen; ist daher der Auffassung, dass im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip keine Freisetzungen von durch Genantrieb veränderten Organismen zugelassen werden sollten, auch nicht zu Naturschutzzwecken.

 

Pressemitteilung hier herunterladen.

Verbändebrief an MEPs vor der Abstimmung.

Veranstaltungsbericht eines vorherigen interaktiven runden Tisches, organisiert von allen Berichterstattern des Parlamentsberichts zur EU Biodiversitätsstrategie vom 8. Dezember 2020: Genetic engineering of wild species. Protection or destruction of nature?


[i] Abstimmungsergebnisse des Europaparlaments für Paragraphen der EU Biodiversitätsstrategie vom Plenum am 08.09.2021

[ii] Europäisches Parlament: Bericht über das Thema "EU Biodiversitätsstrategie für 2030: Mehr Raum für Natur in unserem Leben."