Interview mit Mareike Imken

Mareike Imken
Koordination der europäischen Stop Gene Drives Kampagne, Save our Seeds, Deutschland

 

Frau Imken, warum informiert die Stop Gene Drive Kampagne
über Möglichkeiten der Malariabekämpfung?

Im Rahmen der Stop Gene Drive Kampagne wollen wir
Entscheidungsträger*innen und der breiten Öffentlichkeit
helfen, die Risiken und Potenziale der Gene Drive Technologie
im Unterschied zu alternativen Maßnahmen und Innovationen
zur Malariabekämpfung einzuordnen.
Zu diesem Zweck stellen wir im Laufe des Jahres 2021
verschiedene Ansätze und Perspektiven auf die Malariabekämpfung vor.

Was hat die Gene Drive Technologie mit Malaria zu tun?

Mit der Gene Drive Technologie soll die malariaübertragende
Anopheles Mücke gentechnisch verändert bzw. ausgerottet werden.
Vor allem die Bill & Melinda Gates Stiftung treibt
die Erforschung dieser Gentechnologie im Rahmen ihres Programms
“Target Malaria” voran. Erste Feldversuche könnten in den nächsten
5 -10 Jahren in Burkina Faso, Mali Uganda und Ghana stattfinden.
Doch solche Freisetzungsversuche bergen hohe Risiken:
Bereits Freisetzungsversuche in kleinem Umfang könnten zur Folge haben,
dass wildlebende Mückenpopulationen unwiderrufliche gentechnisch verändert
oder ausgerottet werden.
Die Konsequenzen für Umwelt, Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion und
die menschliche Gesundheit sind jedoch weder erforscht noch absehbar.

Was ist das Ziel der Stop Gene Drive Kampagne?

Mit der Stop Gene Drive Kampagne möchten wir eine breite gesellschaftliche
Debatte über den fundamentalen Eingriff in die Natur anregen,
der mit der Anwendung der Gene Drive Technologie verbunden wäre.
Wir brauchen Zeit für eine solche Grundsatzdebatte anstatt in den nächsten
Jahren vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.
Deshalb fordert ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen
in der EU und weltweit ein globales Moratorium für Freisetzungsversuche
mit gentechnisch veränderten Gene Drive Mücken.
Ein solches Moratorium würde der Menschheit Zeit verschaffen, um
Mindestvoraussetzungen für die Nutzung einer solchen Hochrisikotechnologie zu
erfüllen. Das heißt: Die Risiken der Technologie im Labor modellieren und sie
gegen die Risiken und den Nutzen von alternativen Maßnahmen abwägen. Zusätzlich
die bislang fehlenden internationalen Regularien und Entscheidungsverfahren
etablieren.

 

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