Welt-Malaria-Tag: Braucht es Gene Drives zur Malariabekämpfung?

Infektionskrankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und Borreliose werden von sogenannten Vektoren, wie Mücken oder Zecken auf den Menschen übertragen. Im Fall von Malaria wird der Erreger und damit die Krankheit ausschließlich durch Anophelesmücken verbreitet. Ein globales Programm der Malariakontrolle hat bisher dazu beigetragen, die Krankheit in vielen Regionen der Welt zurückzudrängen.  Bereits 38 Länder sind als malariafrei zertifiziert, aber es verbleiben noch immer 86 Länder in denen die Malariakontrolle nicht ausreichend umgesetzt werden konnten und mehrere hunderttausend Tode zur Folge hat.

Hier kommt die Diskussion über die Gene Drive Technologie ins Spiel. Mücken werden im Labor mithilfe des sogenannten CRISPR/Cas Verfahrens gentechnisch so verändert, dass sie eine neue Eigenschaft an sämtliche Nachkommen weitervererben, auch wenn diese Eigenschaft dazu führt, dass die Population oder die ganze Art ausstirbt. Auf diese Weise erzeugte Gene Drive Mücken sollen die Zahl der Anophelesmücken in Afrika massiv reduzieren und somit die Übertragung der Malaria verhindern. Gene Drives werden deshalb als effektive technologische Lösung zur Bekämpfung von Malaria propagiert.

Welche Bedenken es bezüglich der Nutzung der Gene Drive Technologie gibt und welches Ziel die europäische Stop Gene Drive Kampagne verfolgt, erklärt Mareike Imken, Koordinatorin der Stop Gene Drive Kampagne im Kurzinterview. (Zum Interview)

Eine führende Rolle bei der Entwicklung derartiger Gene Drives spielt das internationale Forschungskonsortium Target Malaria, das zum großen Teil aus Mitteln der Bill & Melinda Gates Foundation finanziert wird. Deren Einfluss auf die globalen Gesundheitspolitik und die durch sie beeinflusste Auswahl von Prioritäten und Maßnahmen auch zur Malariabekämpfung erklärt uns Dr. Andreas Wulf von Medico international im Interview mit uns. (Zum Interview)

Die Pläne von Target Malaria zum Einsatz von Gene Drives sind schon so weit, dass erste Modellprojekte in Afrika, darunter auch in Burkina Faso, gestartet wurden. Im Juli 2019 führte Target Malaria in Burkina Faso erste Freilandtests mit gentechnisch veränderten  sterilen Mücken durch, die noch keinen Gene Drive trugen. Diese Versuchen galten als Vorstufe zur Freisetzung von Gene Drive Mücken in einer späteren Projektphase. Diese und nachfolgende Test stoßen in Teilen der Bevölkerung in Burkina Faso auf Widerstand, wie Ali Tapsoba, Menschenrechtsaktivist, in seinem Interview mit uns erklärt.  (Zum Interview) Er ist der Sprecher der zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen die Freisetzung von Gene Drives in Burkina Faso. Die Behandlung mit Artemisia-Tees aus afrikanischem Anbau zählt zu den Maßnahmen, die er gegenüber der Nutzung der Gene Drive Technologie bevorzugen würde. Davor warnt jedoch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Wie wirksam und sicher Artemisia Tee-Aufgüsse zur Behandlung oder Vorbeugung von Malaria sind, erklärt die internationale renommierte Professorin Pamela Weathers des Worcester Polytechnic Institutes in ihrem Interview mit uns. (Zum Interview)