Gene Drive Organismen sind eine der riskantesten Anwendungen von Gentechnik, die jemals entwickelt wurde.


Diese Kampagne fordert, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Gene Drive Organismen in die Natur zu verhindern

Eine repräsentative Umfrage zeigt:Mehrheit der Europäer*innen findet die Freisetzung von Gene Drive Organismen zu riskant

mehr dazu
289959

EU-Bürger*innen fordern die Umweltminister*innen der EU dazu auf, Freisetzungen von Gene Drive Organismen in die Umwelt zu verhindern

239

NGOs aus aller Welt fordern ein globales Gene Drive Moratorium

Gene Drives: Die gentechnische Kettenreaktionzur Veränderung wildlebender Arten

Mithilfe des sogenannten CRISPR/Cas Verfahrens sollen Tiere und Pflanzen bei der Fortpflanzung gentechnisch so manipuliert werden, dass sie eine neue Eigenschaft an sämtliche Nachkommen weitervererben – selbst wenn diese für sie tödlich ist. Dabei setzen Gene Drives die natürlichen Regeln der Evolution außer Kraft. Dieser Mechanismus wiederholt sich dann selbstständig in jeder neuen Generation: eine gentechnische Kettenreaktion.

Gene Drive Organismen sollen ihre Artgenossen in der Natur verdrängen oder gar ausrotten. Ihre Freisetzung kann unvorhersehbare Folgen für Ökosysteme und Nahrungsnetze haben. Rückgängig zu machen ist sie nicht. Im schlimmsten Falle könnte dies zu weiterem Artensterben und zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme führen und auch die menschliche Gesundheit und Ernährung gefährden.

Die Unterschiede zwischen alter und neuer Gentechnik liegen in den dabei eingesetzten Werkzeugen und Mechanismen sowie der Zielgerichtetheit und Art der gewünschten Genveränderung. ‚Alte Gentechnik‘ bezeichnet Verfahren, die ein oder mehrere Gene eines artgleichen oder artfremden Organismus in die DNA eines Organismus mit bakteriellen Plasmiden oder Genkanonen an einen oder mehrere zufällige Ort in die DNA einschleusen. Wo im Erbgut die eingebrachte DNA eingebaut wurde, blieb dem Zufall überlassen.

Als neue gentechnische Methoden werden eine Reihe von Instrumente mit Namen wie CRISPR/-Cas, Zinkfinger-Nuklease oder Talens bezeichnet, die auch erst in die DNA eingeschleust werden müssen, bevor die dort gentechnisch aktiv werden können. Diese Verfahren werden gemeinhin „Genscheren“ genannt, weil sie es ermöglichen, DNA-Sequenzen an einer spezifischen Stelle zu zerschneiden. Der daraufhin einsetzende Zelleigene Reparaturmechanismus wird von Biotechnologen dann dafür genutzt, einzelne Gene auszuschalten, ihre Funktion zu verändert oder neue Gensequenzen einzufügen. Mehr Informationen beim Informationsdienst Gentechnik.

CRISPR/Cas ist ein Verfahren der sogenannten ‚neuen‘ Gentechnik, das im Jahr 2012 von den Molekularbiologinnen Emanuelle Charpentier und Jennifer Doudna entdeckt wurde. CRISPR steht als Abkürzung für Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats, welches eigentlich im Immunsystem von Bakterien zur Abwehr von Viren genutzt wird. Die beiden Entdeckerinnen haben dann diesen Mechanismus zu einem Werkzeug der Biotechnologie umfunktioniert. CRISPR besteht aus zwei Komponenten: einem Suchwerkzeug für DNA-Sequenzen und einem dazugehörigen Protein, namens Cas (das eine Abkürzung für CRISPR-associated ist). Cas kann an einer gesuchten DNA-Zielsequenz einen Doppelstrangbruch der DNA durchführen, woraufhin Reparaturmechanismen in der Zelle diesen Bruch dann auf 3 mögliche Arten reparieren können. Diese drei Reparaturmechanismen machen sich Biotechnologen dann zunutze, um entweder bestehende Gensequenzen auszuschalten, nur ein einzelnes Basenpaar oder eine ganz neue DNA Sequenz einzubauen. Mehr Informationen bei der Fachstelle Gentechnik und Umwelt. 

Der Begriff gentechnische Kettenreaktion ist die deutsche Interpretation des englischen Begriffs „mutagenic chain reaction“, die von den Gene Drive Erfindern Valentino Gantz und Ethan Bier geprägt wurde. Mit diesem Begriff meinen wir hier, dass die gentechnisch veränderte Gene eines mit Gene Drive im Labor ausgestatteten Organismus so lange – ähnlich einer Kettenreaktion – unaufhaltbar und unwiderruflich an alle Nachkommen und wiederum all deren Nachkommen weitervererbt werden, bis alle Individuen einer wilden Population oder Art diese Gene tragen.

Freisetzung bedeutet im Fall von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), dass diese aus dem geschlossenen System eines Gentechniklabors, wo sie erzeugt wurden, in ein offenes System, die Natur entlassen werden. Freisetzungen können gewollt geschehen – wie im Rahmen der Forschung zum Zweck eines Feldversuchs, oder zur gezielten Anwendung. Freisetzungen können aber auch ungewollt geschehen, wenn Forschenden Fehler unterlaufen und Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend waren.

Freisetzungen von Gene Drive Organismen verhindern!

Die Stop Gene Drive Kampagne vernetzt zivilgesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Organisationen und Bürger*innen in Deutschland, Europa und weltweit, mit dem Ziel, erste Freisetzungen von Gene Drive Organismen in die Natur zu verhindern. Gemeinsam mit knapp 300 Partnerorganisationen aus den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Tierschutz, Landwirtschaft, internationaler Zusammenarbeit und dem Handel sowie knapp 300.000 EU-Bürger*innen fordern wir zu diesem Zweck ein globales Moratorium auf die Nutzung der Gene Drive Technologie in der Natur.

Helfen Sie uns, Gene Drives zu stoppen und unterzeichnen Sie unsere Forderungen!

      Weiterhin empfiehlt Save Our Seeds folgende dringende Maßnahmen:

      • Eine globale Meldepflicht für die Forschung an Gene Drive Organismen in geschlossenen Systemen und einheitliche Sicherheitsstandards für die Gene Drive Forschung
      • Die Entwicklung eines integrierten Systems der Abschätzung, Bewertung und des Managements von Risiken durch Gene Drive Organismen für Umwelt und Gesundheit
      • Konzepte internationaler, inklusiver Technikfolgenabschätzungen für Gene Drive Organismen
      • Ein weltweites Verfahren für Entscheidungen über die Freisetzung von Gene Drive Organismen
      • Die Rückholbarkeit und Kontrollierbarkeit von Gene Drive Organismen als Voraussetzung für jegliche Freisetzung (auch von Feldversuchen)
      • Verbindliche und spezifische globale Regeln für Haftung und Entschädigung bei Schäden durch Gene Drive Organismen
      • Ein Verbot der Entwicklung von Gene Drive Organismen mit militärischem Einsatzpotential
      • Die Stärkung des Vorsorgeprinzips bei der Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen in der EU durch Einführung von Ausschlusskriterien
      Hier mehr erfahren

      Aktuelle Broschüre mit allen Hintergründen zum Thema

      Keyfacts:

      • Deutsch / Englisch / Französisch
      • 45 Seiten
      • 162 Quellen
      • Was sind Gene Drive Organismen?
      • Mögliche Anwendungsgebiete
      • Ökologische Risiken
      • Regulierung
      • Politische Empfehlungen
      Zum Downloadbereich

      Warum der Einsatz der Gene Drive Technologie bedenklich ist, erklären Expert*innen aus aller Welt in unserer Kurzdokumentation.

      Hier geht’s zur vollständigen, 15-minütigen Dokumentation zu Gene Drives.

      news

      Kampagnen-Botschafter*in werden

      Wir können unser Kampagnenziel nur erreichen, wenn viele Menschen von den Risiken der Gene Drive-Technologie erfahren und die Kampagne unterstützen. Deshalb bieten wir eine Schulung an, bei dem wir engagierte Kampagnen-Botschafter*innen in ganz Deutschland ausbilden. Wir helfen euch auch gerne, wenn ihr eine Veranstaltung oder einen Infostand organisieren wollt.

      weiterlesen

      Kontakt

      Hinter der Kampagne steht ein vierköpfiges Team des Berliner Büros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Die Kampagne wird getragen von der europaweiten Initiative Save Our Seeds (SOS). Sie begann im Jahr 2002 als Kampagne zur Reinhaltung des Saatguts von Gentechnik. Mittlerweile betreibt SOS viele weitere Projekte für Saatgutvielfalt, nachhaltige Landwirtschaft und globale Ernährung, darunter die Stop Gene Drives- Kampagne.

      weiterlesen

      Newsletter